Für Menschen mit HIV oder Hepatitis B oder C galt der Kinderwunsch bis vor Kurzem als unerfüllbar oder mit hohem Risiko verbunden. Dank der Fortschritte in der Reproduktionsmedizin und spezialisierter Protokolle wie SPAR (Special Program of Assisted Reproduction) ist er heute Realität – bei vollem Schutz des Kindes, der Leihmutter und der Eltern selbst. In Deutschland, Österreich und der Schweiz ist dieser Weg zur Elternschaft gesetzlich nicht zulässig, weshalb Paare für die Leihmutterschaft in Europa auf Nachbarländer ausweichen; die hier beschriebene labormedizinische Vorgehensweise ist jedoch überall dieselbe.
Wie es funktioniert
HIV, Hepatitis B und C sind keine genetischen Erkrankungen: Sie werden nicht über die DNA weitergegeben und sind in der Samenzelle selbst nicht vorhanden. Das Virus befindet sich in Körperflüssigkeiten – das bedeutet, dass sich das Übertragungsrisiko auf Laborebene ausschließen lässt.
Das Sperma des zukünftigen Vaters durchläuft ein Aufbereitungsverfahren (Spermienwäsche, „Sperm Washing“): Die Samenzellen werden von der Samenflüssigkeit getrennt, die das Virus enthalten kann. Anschließend wird die Probe auf die Viruslast untersucht – nur Material mit negativem oder nicht nachweisbarem Ergebnis wird zur Befruchtung verwendet. Das aufbereitete Sperma wird für die spätere Verwendung eingefroren. So lässt sich das genetische Material eines infizierten Mannes nutzen, ohne das Virus zu übertragen.
Programmablauf bei infizierten Frauen
Auf der Seite der Frau ist die Situation komplexer. Möchte eine infizierte Frau ihre eigenen Eizellen im Programm verwenden, ergibt sich ein grundlegendes Hindernis: Die Eizelle ist eine große Zelle, umgeben von ihrer eigenen Mikroumgebung (Follikelflüssigkeit, umliegende Zellen), aus der sich das Virus nicht zuverlässig entfernen lässt – anders als aus der Samenflüssigkeit. Eine validierte Methode, um Eizellen vom Virus zu befreien, existiert bislang nicht.
Der Ansatz unterscheidet sich daher: Ein infizierter Mann kann dank der Spermienwäsche genetischer Vater werden, während es bei einer infizierten Frau noch nicht möglich ist, ihre eigenen Eizellen sicher zu verwenden – in diesem Fall kommt eine Spendereizelle einer gesunden Spenderin zum Einsatz.
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