Vor einigen Jahren wandte sich ein Väterpaar aus Ungarn an Pogotowie Repro. Sie informierten sich ausführlich über den Weg zur Elternschaft als gleichgeschlechtliches Paar, prüften die Programmbedingungen und die Kosten und erklärten anschließend offen, dass sie finanziell noch nicht bereit waren. Solche Pausen sind eine normale Situation: Paare entscheiden selbst, wann sie zum Programm zurückkehren, sobald es die finanzielle Lage erlaubt. Einige Jahre später meldete sich das Paar erneut – diesmal bereit, das Programm zu starten.
Ein Standardprogramm mit klarem Ziel
Das Paar entschied sich für das Standardpaket: ein Zyklus mit Eizellspende und zwei Embryotransfers, ohne Erfolgsgarantie. Bei der Auswahl der Spenderin stand vor allem die Intelligenz und der Bildungsgrad im Vordergrund. Die Väter waren überzeugt, dass ihr Kind ein Sohn sein würde, und hatten bereits einen Namen, eine Schule und eine Universität für ihn ausgewählt. Gleichzeitig betonten sie einen wichtigen Punkt: Unabhängig vom Ergebnis würden sie ihr Kind bedingungslos annehmen und lieben.
Die Embryonen wurden einer professionellen Leihmutter übertragen, die zu diesem Zeitpunkt bereits drei erfolgreiche Programme hinter sich hatte.
Der Überraschungseffekt
Während der PGD verzichteten die Väter bewusst darauf, das Geschlecht des Embryos bestimmen zu lassen. Sie wollten sich die Überraschung bis zur Geburt bewahren. Embryologe und Reproduktionsmediziner wählten daher einen einzelnen Embryo ausschließlich nach Entwicklungsqualität aus, ohne Bezug zum Geschlecht.
Diese Entscheidung zahlte sich vollständig aus. Das Screening bestätigte auf einen Schlag sowohl die Anzahl der Babys als auch ihr Geschlecht – und stellte damit alle bisherigen Erwartungen des Paares auf den Kopf.
Eine natürliche Eigenschaft des Embryos
Wie jeder Patientin und jedem Patienten wurde auch diesem Paar im Voraus eine Besonderheit der frühen Embryonalentwicklung erklärt: Ein Embryo kann sich selbst nach der Einnistung noch teilen. Daher kann die Übertragung eines einzelnen Embryos in seltenen Fällen dennoch zu einer Zwillingsschwangerschaft führen. Studien beziffern diese Wahrscheinlichkeit nach Blastozystentransfer mit PGT auf etwa 1,6 bis 3,5 Prozent.
Die ersten Anzeichen
Bereits der erste Versuch war erfolgreich. Der Schwangerschaftstest fiel positiv aus, und der Bluttest zeigte einen außergewöhnlich hohen hCG-Wert – ein erster Hinweis auf eine mögliche Zwillingsschwangerschaft.
Bestätigung im Ultraschall
Der erste Ultraschall zeigte einen klar sichtbaren Embryo und einen schwächer erkennbaren, „schattenhaften“ zweiten. Zwei Wochen später bestätigten sich Herzschläge bei beiden. Der Embryo hatte sich geteilt – genau wie zuvor besprochen.
Zwei Töchter statt eines Sohnes
Das nächste Screening brachte die größte Nachricht: Statt des erwarteten Sohnes erwartete das Paar zwei Töchter. Es brauchte etwas Zeit, bis sie ihre Erwartungen neu ordneten. Bei der Rückkehr zur Klinik hatten sie ihre Sichtweise bereits verändert: Zwei Töchter großzuziehen, sei genau ihre Bestimmung.
Bei jedem weiteren Screening, etwa alle drei Wochen, fragten sie dennoch beim Arzt nach, ob nicht doch eines der Babys ein Junge sein könnte. Eineiige Zwillinge teilen sich jedoch dasselbe genetische Material – dasselbe Geschlecht, dasselbe Aussehen und dieselbe Blutgruppe. Die Natur hatte ein geplantes Kind einfach in zwei identische Kinder geteilt.
Das Leben zwei Jahre später
Die Geburt verlief ohne Komplikationen. Zur Geburt hatten die Väter ihre neue Realität bereits vollständig angenommen. Heute sind die Mädchen etwa zwei Jahre alt, und ihre Väter sagen: Sie können sich nicht mehr vorstellen, Söhne großzuziehen – oder die Chance verpasst zu haben, Väter genau dieser beiden Töchter zu werden.
Mehr zu jedem Schritt des Prozesses findest du in unserem Leitfaden: Schritt-für-Schritt-Weg zur Elternschaft für LGBT-Paare.
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